B. Das Selbstständige als umgekehrtes Verhältnis seiner Faktoren
Wissenschaft der Logik. Das Seyn (1812)

B. Knotenlinie von Maßverhältnissen

Es ist das Maßverhältnis vorhanden, das sich als ausschließend und dadurch als selbstständig erweist; der Vorzug, den die Seite des Verhältnisses einem ihrer Exponenten gegen andere gibt, beruht auf dem Quantum desselben gegen andere. Das Mehr oder Weniger ist das ausschließende, qualitative. Umgekehrt aber ist es das Spezifische, wodurch ein solches Mehr oder Weniger bestimmt ist. Das Qualitative, das sich auf diese Weise zu einem quantitativen Unterschiede macht, wird ein äußerliches, vorübergehendes. Es ist überhaupt vorhanden, der Übergang des spezifischen in das bloß quantitative, und des quantitativen in das spezifische Verhältnis. Indem das qualitative Verhältnis sich zu einem quantitativen Unterschiede macht, so besteht es einerseits in diesem; es bleibt darin was es ist, und das Quantitative ist die Gleichgültigkeit seines Bestehens; es ist diese Einheit beider, worin das Quantitative durch das Spezifische bestimmt ist, welche ein Selbstständiges ausmacht. Andererseits aber ist es dadurch verändert; das Quantitative ist sein Anderes. Umgekehrt macht das Quantitative seinerseits eben so die Grundlage des spezifischen Verhältnisses aus. Durch das quantitative Moment erhält sich das Selbstständige in seinem Anderssein; andererseits aber ist das quantitative Moment in seiner Einheit mit dem spezifischen gleichfalls verändert. — Jedes der beiden Momente tritt daher als das Bestimmende auf, in welchem das andere nur als aufgehobenes ist, und damit jedes auch als aufgehobenes.

Die schließliche Bestimmung des Maßverhältnisses war, daß es als ausschließend spezifisch ist. Aber dies repellierende Ausschließen ist teils an und für sich Beziehung auf das Ausgeschlossene und gegenseitige Attraktion beider; teils aber insofern das gleichgültige Bestehen der Ausgeschlossenen das quantitative Moment ist, so ist das Ausschliessende gleichgültig unterschieden von dem Andern und kontinuiert sich in dasselbe. Es kontinuiert sich darein einesteils als sich selbst erhaltend; sein Anderes ist ein Quantitatives, also ein gleichgültiger Unterschied, der das Spezifische nicht affiziert; andererseits aber ist es qualitativ von ihm unterschieden; es wird in diesem seinem Anderssein ein anderes Verhältnis und damit ein anderes Maß.

Die spezifizierende Einheit bestimmt, wie sich ergeben hat, Zahlenverhältnisse, welche qualitativer Natur und Masse sind. Aber die Seiten oder auch die Exponenten derselben sind Anzahlen überhaupt, daher das an sich unbestimmte und äußerliche. Einesteils bleibt das Maß unverändert in diesem Unterschiede seiner Quantität; andernteils wird es verändert, und zwar nicht durch sich selbst, oder so daß es sich in seinem Anderssein als in dem, worauf es sich bezieht, erhielte; sondern das Quantitative, worein es übergeht, ist die Beschaffenheit, das an sich äußerliche; es ist also darin nur untergegangen. Allein indem das Quantitative selbst eben so zugleich qualitative Natur hat, so wird ein anderes quantitatives Verhältnis auch wieder ein Maß, und ein an-sich-bestimmtes, das nicht aus der Äußerlichkeit und bloßen Beschaffenheit kommt, sondern mit dem vorhergehenden Maß zusammenhängt, und durch eine Regel mit ihm in qualitativer Beziehung steht. Es ist also dies gedoppelte vorhanden. Der Übergang von einem Masse in ein anderes ist äußerlich, unzusammenhängend, eines ist ohne das andere, jedes erscheint als ein unmittelbares; sie unterscheiden sich durch ein Mehr und Weniger, dies ist die Beziehung derselben in der Vergleichung, die ihnen äußerlich und gleichgültig ist. Aber sie haben auch eine Regel zu Grunde liegen, und verhalten sich als qualitative Unterschiede zu einander; denn das Quantum hat seine Bestimmtheit in der Spezifikation.

Die selbstständigen Masse also, sowohl bloß quantitativ als auch qualitativ von einander unterschieden, sowohl einander ganz äußerlich, als auch durch eine Regel bestimmt, bilden eine Knotenlinie von Massen auf einer Scale des Mehr und Weniger. Es ist ein Maßverhältnis vorhanden; dies ist ein selbstständiges Dasein, eine Realität, die qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Dasein ist zugleich, weil es auf einem Verhältnisse von Quantis beruht, der Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen, und insofern ist das, wodurch es verändert wird, ein unbestimmt Anderes überhaupt, Zufälligkeiten, äußere Umstände. Es hat eine Weite, innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und seine Qualität nicht ändert. Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung des quantitativen Verhältnisses ein, auf welchem die Qualität geändert wird, oder das Quantum sich als spezifizierend erweist, wo ein solches anderes quantitatives Verhältnis Statt findet, welches selbst Maß und damit eine neue Qualität und ein neues Etwas ist. Insofern das vorhergehende Verhältnis auf sein Anderes, das Quantitative, worin es zu Grunde geht, sich qualitativ bezieht, indem das Qualitative und Quantitative überhaupt sich qualitativ gegen einander verhalten, so ist auch das Verhältnis, das an die Stelle des ersten getreten, durch dieses bestimmt. Aber dies neue Etwas verhält sich eben so gleichgültig gegen das Vorhergehende, denn ihr Unterschied ist der äußerliche des Quantums; es ist also nicht aus dem vorhergehenden, sondern unmittelbar aus sich hervorgetreten. Die neue Qualität oder das neue Etwas ist demselben Fortgange seiner Veränderung unterworfen und so fort ins Unendliche.

Insofern der Fortgang von einer Qualität in stetiger Kontinuität der Quantität ist, so sind die einem qualifizierenden Punkte sich nähernden Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger unterschieden. Die Veränderung ist nach dieser Seite eine allmähliche. Aber die Allmählichkeit betrifft bloß das Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben. Das vorhergehende quantitative Verhältnis, das dem folgenden unendlich nahe ist, ist noch eine andere Realität. Von der qualitativen Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der Allmählichkeit, das keine Grenze an sich selbst ist, absolut abgebrochen, und indem die neu eintretende Qualität um ihres quantitativen Unterschieds selbst willen eine gegen die verschwindende unbestimmt andre, eine gleichgültige ist, so ist der Übergang ein Sprung; die verschwundene und die neu eintretende sind völlig äußerliche. — Man sucht sich gern durch die Allmählichkeit des Übergangs eine Veränderung begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmählichkeit gerade die bloß gleichgültige Änderung, gerade das Gegenteil der qualitativen. In der Allmählichkeit ist vielmehr der Zusammenhang der beiden Realitäten, — sie werden als Zustände, oder als selbstständige Dinge genommen, — aufgehoben, es ist gesetzt, daß keine die Grenze der andern, sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist, daß in dem bloß quantitativen Fortgange sich Verhältnisse von Quantis zeigen, die gegen ihre unmittelbar vorhergehenden und nachfolgenden qualitativ unterschieden, und gegen sie die bloß äußern qualitativ gleichgültigen sich als spezifische darstellen.

Anmerkung

Das natürliche Zahlensystem ist schon eine solche Knotenlinie von qualitativen Momenten, die sich in einem bloß äußerlichen Fortgang hervortun. Es ist einesteils ein bloß quantitatives Vor- und Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzutun oder Wegnehmen, so daß jede Zahl dasselbe arithmetische Verhältnis zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden u. s. f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben auch zu andern vorhergehenden oder folgenden ein spezifisches Verhältnis, entweder ein solches vielfaches von einer derselben als eine ganze Zahl ausdrückt, oder Potenz oder Wurzel zu sein. — In den musikalischen Verhältnissen, tritt ein harmonisches Verhältnis in der Scale des quantitativen Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß dieses Quantum für sich auf der Scale zu seinem vorhergehenden und nachfolgenden ein anderes Verhältnis hätte, als diese wieder zu ihren vorhergehenden und nachfolgenden. Indem folgende Töne vom Grundtone sich immer mehr zu entfernen oder Zahlen durch das arithmetische Fortgehen nur noch mehr andere zu werden scheinen, tut sich vielmehr auf einmal eine Rückkehr, eine überraschende Übereinstimmung hervor, die nicht durch das unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet war, sondern als eine actio in distans, als eine Beziehung zu einem entfernten erscheint. Der Fortgang an bloß gleichgültigen Verhältnissen, welche die vorhergehende spezifische Realität nicht ändern, oder auch überhaupt keine solche bilden, unterbricht sich auf einmal, und indem er in quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise fortgesetzt ist, tritt somit durch einen Sprung ein spezifisches Verhältnis ein.

In chemischen Verbindungen kommen allenthalben bei der progressiven Änderung der Mischungsverhältnisse, solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsscale, Produkte von besondern Qualitäten bilden. Diese Produkte unterscheiden sich nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind sie mit den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen, schon vorhanden, etwa nur in einem schwächeren Grade, sondern sie sind an solche Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen von Sauerstoff und Stickstoff geben die verschiedenen Stickstoffoxide und Salpetersäuren, die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der Mischung hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben, so daß in dazwischen liegende Mischungsverhältnisse keine Verbindungen und spezifische Existenzen erfolgen. — Die Metalloxide, z. B. die Bleioxide bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten der Oxidation, und unterscheiden sich durch Farben und andere Qualitäten. Sie gehen nicht allmählich in einander über, sondern die zwischen jenen Knoten liegende Verhältnisse kommen nicht als ein spezifisches Dasein vor, sie vermögen kein Produkt zu bilden. Ohne durch Zwischenverhältnisse durchgegangen zu sein, tritt eine spezifische Verbindung auf, die auf einem Maßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten hat. — Oder das Wasser, indem es seine Temperatur ändert, wird damit nicht bloß mehr oder weniger warm, sondern geht durch die Zustände der Härte, der tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit hindurch; diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählich ein, sondern eben das bloß allmähliche Fortgehen der Temperatur-Änderung wird durch diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der Eintritt eines andern Zustandes ist ein Sprung. — Alle Geburt und Tod, sind statt eine fortgesetzte Allmählichkeit zu sein, vielmehr ein absolutes Abbrechen derselben, und der Sprung aus dem Quantitativen in das Qualitative.

Es gibt keinen Sprung in der Natur; und die gewöhnliche Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll, meint, wie bereits erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein allmähliches Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich aber gezeigt, daß die Veränderungen des Seins überhaupt nicht nur das Übergehen eines Quantums in ein anderes Quantum, sondern Übergang vom Qualitativen in das Quantitative, und umgekehrt sind, ein Anderswerden, das ein Abbrechen des Allmählichen und ein Qualitativ-Anderes gegen das vorhergehende Dasein ist. — So wird das Wasser durch die Erkältung nicht nach und nach hart, so daß es breiartig würde und allmählich bis zur Konsistenz des Eises sich verhärtete, sondern es ist auf einmal hart; schon wenn es die ganze Temperatur des Eispunktes hat, aber ruhig steht, hat es noch seine ganze Flüssigkeit, und eine geringe Erschütterung bringt es in den Zustand der Härte. — Bei der Allmählichkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde, daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden, nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der Allmählichkeit des Verschwindens, daß das Nichtsein oder das Andre an seine Stelle tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar sei; — und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andre in dem vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Dasein, nur unbemerkbar vorhanden sei. Es wird damit das Entstehen und Vergehen überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas vor seinem Dasein ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseins verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in einen äußerlichen, bloßen Größenunterschied. — Das Begreiflichmachen eines Entstehens oder Vergehens aus der Allmählichkeit der Veränderung hat die der Tautologie eigene Langweiligkeit, weil es das Entstehende oder Vergehende schon vorher ganz fertig hat, und die Veränderung zu einer bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes macht, wodurch sie in der Tat nur eine Tautologie ist.

Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seins zu betrachten ist, findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; oder verschiedene Qualitäten gründen sich auf eine Verschiedenheit des Quantums. Es ist ein Mehr oder Weniger, wodurch das Maß des Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz anderes, Verbrechen, hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht. — So erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das übrige als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen Charakter. Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der Umfang des Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert. Der Staat hat ein Maß seiner Größe, über welche hinausgetrieben, er haltungslos in sich zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei einem andern Umfang sein Glück und seine Stärke ausmachte.

C. Das Maßlose

Das Maß ist an sich seiende Größe, welche der Äußerlichkeit und Gleichgültigkeit des unmittelbaren Quantums widersteht und sich dagegen erhält. Diese gleichgültige Selbstständigkeit der spezifischen Masse aber beruht auf dem quantitativen Unterschiede, und ist darum des Auf- und Absteigens an der Scale des Quantums fähig, auf welcher die Verhältnisse sich ändern; Etwas oder eine Qualität wird über sich hinaus in das Maßlose getrieben, und geht durch die bloße Änderung seines Quantums zu Grunde. Die Größe ist die gleichgültige äußerliche Beschaffenheit, an der ein Dasein ergriffen und wodurch es zerstört werden kann.

Das qualitative Verhältnis geht über in bloß quantitative Verhältnisse, die keine negative Einheit haben und damit keine qualitative Verhältnisse sind, die mit ihnen eingetretene Änderung ist nicht eine Qualitäts-Änderung. Aber umgekehrt wird diese zunächst gleichgültige Äußerlichkeit des Verhältnisses wieder eine qualifizierende Bestimmtheit und so fort ins Unendliche. Es ist insofern die schlechte Unendlichkeit des unendlichen Progresses vorhanden. — Das Maßlose besteht in dem bloß Quantitativen, in welches ein Maß übergeht; das Quantum ist als solches das Maßlose. Da aber umgekehrt das maßlose quantitative Verhältnis selbst wieder zu einem spezifischen wird, so hebt sich das Maßlose so wieder an ihm selbst auf. Was also vorhanden ist, ist nicht nur die Negation des spezifischen Verhältnisses, sondern auch die Negation des quantitativen Fortgangs selbst. Das Unendliche ist diese Negation beider Momente; es ist die absolute Bestimmung, welche ihnen fehlt. Das spezifische Verhältnis ist zunächst das an sich bestimmte, weil es als Verhältnis den Unterschied an ihm selbst hat, und weil auch seine Seiten nicht unmittelbare Größen, nicht Einheiten wie im unmittelbaren direkten Verhältnisse, sondern spezifizierte, gesetzte Quantitätsbestimmungen sind. Aber dies Bestimmtsein an sich hält sich nicht, es kontinuiert sich mit seinem andern, und geht in den bloß quantitativen Unterschied über; einen Unterschied, der in unmittelbaren nicht durch die negative Einheit spezifizierten Quantis besteht; dieser aber geht vielmehr in das spezifische Verhältnis zurück. Keins von beiden ist also absolutes Bestimmtsein. Diese Unendlichkeit besteht also überhaupt in der Negation beider Seiten. Aber zugleich ist diese Negation nicht das Jenseits einer jeden, ein außer ihnen befindliche oder nur ihre innre Unendlichkeit, sondern ihre an ihnen selbst gesetzte Unendlichkeit. — Die qualitative Unendlichkeit war nämlich das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, der unmittelbare Übergang und das Verschwinden des Diesseits in seinem Jenseits. Die quantitative Unendlichkeit hingegen ist die Kontinuität des Quantums, eine Kontinuität desselben über sich hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird zum Unendlichen; das Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm selbst, und weist über sich hinaus. Aber die Unendlichkeit der Spezifikation des Maßes ist an ihr selbst diese Totalität, die das Andre nicht als ein Jenseits seiner hat, sondern nur dies in seiner über sich hinausgehenden Negation setzt, daß es Totalität ist, daß es nicht ein Anderes gegen sich hat oder setzt. Das spezifische Verhältnis ist die negative Einheit von Quantitäten, die durch sie bestimmt sind; es ist als diese negative Einheit das selbstständige gleichgültige Bestehen. Aber zu was es sich spezifiziert hat, sind Quantitätsbestimmungen; es geht somit in das quantitative Verhältnis nicht über, sondern bezieht sich darin nur auf sich selbst; und die Maßlosigkeit oder seine Negation, nämlich das Quantitative des Verhältnisses, ist seine negative Beziehung auf sich selbst. Seine Unendlichkeit ist also das Aufheben nicht seiner selbst, sondern seiner, daß es ein Anderes ist; es ist dies die Negation seiner, als das wodurch es ist. Das qualitative Verhältnis also als Beziehung spezifischer Quantitäten macht sich dadurch äußerlich, zu einem qualitätslosen Bestehen; aber eben-diese seine Negation ist es, wodurch es ist, was seine spezifische Beschaffenheit ausmacht. — Dies ist seine Natur, aber es ist zugleich in dem unendlichen Progreß vorhanden. Nämlich das spezifische Verhältnis, als gleichgültig gegen sich selbst, stößt sich von sich selbst ab, und macht sich zu einem andern spezifischen Verhältnisse. Dieses ist ein anderes quantitatives Verhältnis; darum sind beide gleichgültig gegen einander, und ihre qualitative Beziehung aufgehoben. Aber eben damit sind sie nur äußerlich unterschieden; die Beziehung auf das andere ist also eine Beziehung auf sein nicht unterschiedenes, auf sich selbst, als auf seine Negation. Dies Abstoßen des Spezifischen von sich ist seine Selbstständigkeit; sie besteht also darin sich auf sein anderes, nur quantitativ unterschiedenes so zu beziehen, daß es in seiner Negation das ist, was es ist. — So umgekehrt die quantitative Bestimmung schlägt in spezifische Bestimmung um, aber weil diese an ihr selbst das Quantitative ist, so erhält dieses sich in seinem Anderswerden, und ist somit in seiner Beschaffenheit das, was es seiner Bestimmung nach ist, in seiner Negation das zu sein, was es ist.

Der unendliche Progreß als solcher besteht nur darin, daß das spezifische Selbstständige in das Quantitative übergeht, und dieses in jenes, und daß in diesem Übergehen, das Übergehen sich selbst aufhebt, indem das neue Verhältnis wieder als ein unmittelbares, gleichgültiges ist. Die Unendlichkeit selbst aber ist die Einheit des Qualitativen und Quantitativen, die sich von sich abstößt, und unmittelbar nur dieses Abstoßen selbst ist. — Das Quantitative und Qualitative sind im unmittelbaren Masse unmittelbare Einheit. Aber sie sind sich eben so qualitativ entgegengesetzt, jedes ist, was das andere nicht ist; so sind sie im unendlichen Progresse die Bestimmungen der Verhältnisse gegen einander. In dieser qualitativen Bestimmung aber sind sie zugleich schlechthin jedes an ihm selbst das Übergehen in sein Anderes. Dies Übergehen ist der Form nach betrachtet, dasselbe, wodurch die Qualität überhaupt zur Quantität, und diese zu jener wird; nämlich das Spezifische des Verhältnisses geht als ausschließende Repulsion mit dem ausgeschlossenen in eins zusammen, oder wird Attraktion und damit Quantität. Umgekehrt diese als die Äußerlichkeit an sich, die im Progresse die Äußerlichkeit ihrer selbst wird, ist damit in sich zurückgekehrt und Quantum als das, was es an sich ist, Qualität.

Es ist aber nicht nur dies Übergehen der Qualität und Quantität in einander vorhanden, das sich an ihnen als den Bestimmungen des Seins zeigt, sondern es kommt hier in der Beziehung beider zurück; ihr Übergehen in einander geschieht auf dem Boden ihrer Einheit. Es ist ein Übergehen, welches zugleich der Rückschlag seiner gegen sich selbst ist, und sich aufhebt. Das Qualitative geht nämlich über in das Quantitative zunächst als in sein Anderes; aber dieses ist hier selbst als solches, das an sich Übergehen in das Qualitative ist; — und so gegenseitig. Jedes geht also über in sein Andres, das aber an ihm selbst sich aufhebt, und nur das Werden zu seinem Andern ist. Indem jedes also ein Anderes wird, hebt es vielmehr nur dies auf, ein anderes zu sein; es geht in seiner Änderung somit nur mit sich selbst zusammen.

Indem also das Übergehen spezifisch Selbstständiger in einander zugleich das Negieren dieses Übergehens als eines Anderswerdens ist, so ist dasjenige, was sich ändert, keine Selbstständigkeit; die Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes, und das Uebergehende bleibt an sich dasselbe. Die quantitative Beziehung, das Spezifische des Unterschiedes von Qualitativem und Quantitativem wird in dieser Unendlichkeit aufgehoben. Wie zuerst das unmittelbare Maßverhältnis sich in der spezifischen Selbstständigkeit aufhob, so ist diese nun ebenfalls verschwunden, indem sie zum Zustande herabgesetzt ist. Sie sollte überhaupt das aufgehobene unmittelbare Maßverhältnis, das Quantitative in ihr sollte ein qualitativ bestimmtes, und als ausschließende negative Einheit mit sich absolut an sich bestimmtes Fürsichsein sein. Aber diese Selbstständigkeit hat sich als übergehend in das Quantitative, das in ihr nur aufgehoben sein sollte, zum Momente herabgesetzt. Aber indem das Übergehen sich überhaupt aufgehoben, ist die Selbstständigkeit in ihrem Übergehen nur mit sich zusammengegangen. Dadurch, daß sie im Übergehen ihr Übergehen aufhebt, ist sie erst wahrhafte Selbstständigkeit. Das Selbstständige setzt in einer und derselben Rücksicht, worin es seine spezifische Qualität aufhebt, sich als selbstständig; denn damit ist es erst die wahrhafte Beziehung auf sich selbst.

Was also vorhanden ist, ist die Selbstständigkeit, welche durch ihre Negation sich mit sich selbst vermittelt. Die spezifische Selbstständigkeit, die ausschließende Beziehung auf sich, hat ihre Gleichgültigkeit gegen sich, das Quantitative, als ihre Negation, zu ihrem vermittelnden Momente, und als diese Rückkehr in sich ist sie absolute Selbstständigkeit.

Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens

A. Die Indifferenz

Das spezifische Selbstständige ist durch seine Negation mit sich selbst vermittelt, so ist es nicht mehr spezifische, sondern absolute Selbstständigkeit. — Zunächst ist zwar das Spezifische das unmittelbare Sein überhaupt, das Qualitative, die Negation desselben aber ist das Quantitative, wodurch es in sich zurückkehrt. Allein das Quantitative ist eben so sehr Qualität und damit spezifisches gegen die Qualität als solche, und diese ist seine Negation; beide haben also nur noch eine unbestimmte Bedeutung gegen einander. — Ferner ist das Spezifische nicht mehr Selbstständiges zu nennen; das Qualitative und das Quantitative sind schlechthin nur noch Momente. Das absolute Selbstständige, das ihr Unendliches ist, in welchem sie aufgehoben sind, ist ihre Einheit, insofern sie aus ihnen herkommt. Sie ist nicht das Werden derselben, — dies war die Knotenlinie und der unendliche Fortgang derselben, denn sie ist nicht ihre Einheit, in der sie noch ihren qualitativen Unterschied hätten. Noch ist sie auch in die Bestimmung ihrer unmittelbaren Einheit zurückgegangen; denn die Momente sind als im Unterschiede von einander eins, oder es ist nicht ihre Einheit vorhanden, in der sie nur als aufgehobene eins wären, sondern sie sind dies, eines im andern sich zu kontinuieren. Ihre Einheit ist daher die in ihnen gegen sie gleichgültige Einheit, ihre Indifferenz.

Diese Indifferenz des Qualitativen und Quantitativen ist die Gleichgültigkeit beider Bestimmungen überhaupt, deren jede in der andern nicht über-, sondern nur mit sich selbst zusammengeht. Darum ist sie aber ferner auch nur die an-sich-seiende, noch nicht die fürsich-seiende Selbstständigkeit. Indem sie die Gleichgültigkeit gegen den Unterschied der beiden Bestimmungen ist, so hat sie denselben noch nicht an ihr selbst. Sie ist ansichseiende, gleichgültige Einheit, so ist in der Bestimmung der Quantität gesetzt, und der qualitative Unterschied steht ihr gegen über, als das wogegen sie gleichgültig ist. — Oder insofern sie das Unendliche ist, das aus dem Insichgehen des Qualitativen und Quantitativen resultiert, so hat sie diese Bewegung hinter sich, und ist auf sie bezogen. — Der Indifferenz mangelt also dies, an ihr selbst die qualitative Einheit mit sich, die absolute Negativität. Sie ist in der Bestimmung der Gleichgültigkeit gegen das Negative; also nicht das absolut Selbstständige.

B. Das Selbstständige als umgekehrtes Verhältnis seiner Faktoren

Die Indifferenz ist nur die an sich seiende Einheit des Qualitativen und Quantitativen; sie hat die bestimmte Beziehung auf ihr Anderes, gegen welches sie gleichgültig ist; sie ist als ansichseiend, zwar Unmittelbarkeit, aber von der ihre Vermittlung verschieden ist; sie ist also in der Tat selbst vermittelt. Somit ist sie das spezifische Selbstständige, das sich durch seine Negation mit sich vermittelt, und dadurch absolute Selbstständigkeit wird, so, daß sie die beiden Bestimmungen, die spezifische Selbstständigkeit und deren Negation, noch als Momente an ihr hat, die von ihrer Indifferenz unterschieden sind; diese Momente erhalten dadurch auf einen Augenblick wieder ihre bestimmte Bedeutung gegen einander. Aber nicht als Selbstständige, welche es unmittelbar für sich sind, sondern die ihre Selbstständigkeit allein in ihrer Indifferenz haben, und deren Momente sind.

Es ist zuerst das Moment der spezifischen Selbstständigkeit vorhanden, das in seiner Bestimmtheit das qualitative ist; es ist nicht an ihm selbst die indifferente Einheit mit sich, sondern ist gegen sie das Bestimmte, somit in sich unterschiedene. Es sind also zwei Selbstständigkeiten überhaupt; sie sind selbstständig nur an sich, in ihrer Einheit; denn in ihr sind sie nicht bestimmte gegen anderes; nur in der Negation seiner ist das Spezifische selbstständig. In ihrer spezifischen Bestimmtheit aber sind sie das eine, was das andre nicht ist, und daher jedes zugleich nur insofern das andere ist. Aber ihre bestimmte Verschiedenheit gegen einander, macht der quantitative Unterschied aus; der qualitative seine Beschaffenheit, seine spezifische Beziehung auf anderes, durch das Quantum. Dieses, das das Sein der Seiten des Verhältnisses ausmacht, ist qualitativ gegen einander bestimmt, so daß das Sein der einen das Nichtsein der andern ist. Sie stehen somit im umgekehrten Verhältnisse.

Das umgekehrte Verhältnis kehrt hier zurück; es ist aber nicht das erste, formelle. In diesem war die qualitative Beziehung den Seiten selbst, daß die eine nicht ist, was die andere, gleichgültig, denn sie waren nur Quanta überhaupt. Hier in der Realität dieses Verhältnisses ist es die eigene Qualitativität der Seiten, welche sie so bezieht; ihre spezifische Bestimmung enthält das Moment des Ausschließens, an sich selbst zu sein, insofern das andere nicht ist. Zugleich ist diese Rückkehr der Seiten in sich die gleichgültige Beziehung auf sich, das Quantum; sie haben es zur Bestimmung ihres gleichgültigen Bestehens gegen einander. So ist das Quantum seinerseits als spezifisches, nicht die unmittelbare äußerliche Bestimmtheit, sondern qualitative Beziehung.

Die beiden Seiten dieses umgekehrten Verhältnisses haben ihre Selbstständigkeit an der ansichseienden Indifferenz ihrer Momente; sie sind diese Einheit selbst; aber die differentiirte Einheit; sie sind spezifizierte Selbstständige. Als die Einheit des Qualitativen und Quantitativen, sind an sich beide dasselbe und selbstständig, aber sie sind diese Einheit als vermittelt durch ihre Negation oder das Anderssein; jedes hat an dem andern seine Rückkehr in sich; das Qualitative ist das an sich bestimmte nur in der Quantität als dem gleichgültigen Bestehen, und das Quantitative nur spezifisches in dem Qualitativen. Diese negative Einheit, in der sie Selbstständiges sind, ist von ihrer absoluten Indifferenz noch unterschieden; daher tritt das Negative in seiner Bestimmtheit sich gegenüber. Ihre Einheit ist daher als ihre Selbstständigkeit überhaupt in dem Unterschied von zweien vorhanden, die, wie sich bereits bestimmt hat, im umgekehrten Verhältnisse zu einander stehen. Sie sind spezifisch Selbstständige, als bestimmte, und jedes die Vermittlung seiner mit sich durch seine Negation; aber seine Negation ist von seiner nur erst an sich seienden Selbstständigkeit unterschieden; sie ist also anderes Selbstständiges. Die Rückkehr in sich besteht damit auch nur erst in der Unmittelbarkeit eines jeden, in der es sich gegen seine Veränderung erhält; die Unmittelbarkeit seines Bestehens und seine Gleichheit mit sich als in der Veränderung oder seine Vermittlung mit sich fallen aus einander. Es ist ein unmittelbarer Teil an jedem, der für sich ist, und ihm nicht aus der Negation des andern zuwächst, ein Teil, der größer oder kleiner oder als unendlich klein angesehen werden kann, der überhaupt das Moment der spezifischen Selbstständigkeit ist.

Was also im realen umgekehrten Verhältnisse vorhanden ist, sind zwei spezifische Selbstständigkeiten; die an sich dasselbe, und als Quanta unterschieden sind. Somit ist ihre ansichseiende Indifferenz, nur ihre Summe; ein bestimmtes Quantum. Diese hat ihre qualitative Bestimmtheit an den unterschiedenen Verhältnissen, in die die gleichgültigen Quanta mit einander treten; denn die Beziehung, welche solche qualitativ bestimmten Quanta des Ganzen im Verhältnisse haben, ist die spezifische Verschiedenheit dieses Ganzen. Diese Seiten des Verhältnisses sind Faktoren, die, an sich dasselbe Ganze, durch ihre bestimmte quantitative Veränderung das Ganze bestimmen, nicht nach seiner Indifferenz, sondern nach seiner Bestimmtheit; denn eben diese machen sie aus.

Diese Bestimmtheit der Faktoren besteht nun in dem verschiedenen Verhältnisse ihrer Quantorum. Aber sie sind wesentlich zugleich qualitativ gegen einander bestimmt; ihre quantitative Verschiedenheit ist nicht ein Auseinanderfallen derselben, sondern ist in Einer Einheit. Das eine hat also eine Größe nur insofern die andere Seite sie nicht hat; so viel der einen abgeht, geht der andern zu. Darum nun aber, weil ihre Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, so reicht jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta verschieden und ein bestimmtes Verhältnis ausmachen sollten, ginge die eine über die andere hinaus, und hätte in ihrem Mehr ein Sein, welches die andre nicht hätte. Aber in ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur insofern die andere ist. — Sie sind daher im Gleichgewicht, daß um so viel die eine sich vermehrte oder verminderte, die andere gleichfalls zu- oder abnähme, und in demselben Verhältnisse zu- oder abnähme.

Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es also zu keinem quantitativen Unterschiede kommen. — Aber die quantitative Bestimmung kann als die erste, also eines unmittelbar als größer gegen das andere angenommen werden. So geht es aber über sich selbst hinaus; denn in seiner Bestimmung ist es dem andern gleich; als dem andern ungleich, geht es über sich hinaus und enthält das andre. Mehr als das andre hat es nur vom andern; aber diesem bleibt nichts übrig, denn um der qualitativen Bestimmung willen, die der quantitative Unterschied hat, ist das, was das Eine über das Andere hinaus wäre, nur dies Andere selbst. Es ist nur das Eine und Andere; insofern das Eine einen Zuwachs erlitte, so ist dieser Zuwachs nur das Andre.

Insofern also von der quantitativen Vorstellung aus das Gleichgewicht gestört, und eine Faktor größer genommen wird, so wird er so das überwiegende, daß der andere mit beschleunigter Geschwindigkeit abnimmt, und von dem ersten überwältigt wird, so daß dieser sich zum einzigen Selbstständigen macht, aber damit nicht mehr ein spezifisches, sondern das Ganze ist.

Insofern also am Ganzen, dessen Faktoren die Seiten des umgekehrten Verhältnisses sein sollen, eine Bestimmtheit vorhanden ist, und eine Veränderung vorgeht, so geht sie nur an ihm selbst, nicht an den Faktoren vor, die keine Bestimmtheit gegen einander haben. Ferner ist es, insofern solche Faktoren, — ob zwar, wie sich gezeigt, überflüssigerweise, — als Bestimmungen des Ganzen angenommen werden, vollkommen gleichgültig, welchen man sich verändern lässt, oder der Andre verändert sich eben so; es ist nur eines überhaupt, das Ganze, das sich verändert; der Unterschied der Faktoren ist bedeutungslos.

Aber auch das Ganze verändert sich nicht; denn dieses Ganze, die an sich seiende Indifferenz, ist überhaupt nicht mehr qualitativ oder quantitativ bestimmt; es ist nicht Summe oder Quantum, noch sonst eine qualitative Bestimmtheit. Die Bestimmtheit ist nicht mehr erste Negation, sondern absolute Negativität. Die Indifferenz ist an sich nur dies, gegen Qualität und Quantum gleichgültig zu sein. Die Bestimmtheit aber, die sie noch als ansichseiende hatte, und die in dem Unterschied ihrer Faktoren bestand, hat sich dadurch vollends aufgehoben, daß sie sich als die in sich zurückgehende zeigte; diese Faktoren sind dadurch nicht nur an sich dasselbe, sondern in ihrem bestimmten Anders sein; es ist ihre negative Beziehung, durch welche sie eins sind.

Anmerkung

Dies Verhältnis eines Ganzen, das seine Bestimmtheit an dem Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren haben soll, wird zum Beispiel bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper gebraucht. In dieser Bewegung beschleunigt sich ihre Geschwindigkeit, indem sie sich dem Perihelium, und sie vermindert sich, indem sie sich dem Aphelium nähern. Zur sogenannten Erklärung dieses Phänomens werden eine Centripetal- und Zentrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der krummen Linie angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in der Verschiedenheit der Richtung. In quantitativer Rücksicht werden sie als ungleich und entgegengesetzt bestimmt, daß wie die eine zu, die andere abnehmen soll, und umgekehrt, und zugleich daß auch das Verhältnis derselben wieder umschlage, daß nachdem die Centripetalkraft eine Zeitlang zugenommen, die Zentrifugalkraft aber abgenommen, ein Punkt eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die Zentrifugalkraft aber zunehme. Ich habe in einer frühern Dissertation diesen Gegenstand beleuchtet, und das Nichtige dieser Unterscheidung und der darauf gebauten Erklärungen dargetan. Die nähere Betrachtung zeigt leicht, daß überhaupt in den Operationen und Formeln, welche auf jene Unterscheidung gebaut werden, in der Tat nicht eine quantitative Verschiedenheit dieser Momente vorkommt, sondern vielmehr nur immer das Ganze, die Geschwindigkeit der Bewegung, das in Rede stehende ist; so daß, was sich als Größe der Wirkung des einen Faktors ergibt, eben so sehr Größe des andern, so wie gleichfalls die Größe des Ganzen ist. Weil sie die qualitative Bestimmtheit gegen einander haben, so sind sie schlechthin nicht aus einander zu bringen; jede hat nur Bedeutung in Rücksicht auf die andere; insofern also eine einen Überschuß über die andere hätte, insofern hätte sie keine Beziehung auf die andere und wäre nicht vorhanden. — Bei der Annahme, daß die eine das einemmal größer sei als die andere, wenn sie als größere in Beziehung auf die kleinere stünde, tritt das oben gesagte ein, daß sie absolut das Übergewicht erhielte, und die andere verschwände. Es ist eine sehr einfache Betrachtung, daß wenn z. B. wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers, indem er sich dem Perihelium nähert, zunehmen, die Zentrifugalkraft hingegen um eben so viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr vermag, ihn der erstern zu entreißen, und von seinem Zentralkörper wieder zu entfernen; im Gegenteil da die erstere einmal das Übergewicht hat, so ist die andere überwältigt, und der Körper wird mit beschleunigter Geschwindigkeit seinem Zentralkörper zugeführt. Wie umgekehrt wenn die Zentrifugalkraft an der unendlichen Nähe des Apheliums die Oberhand hat, es eben so widersprechend ist, daß sie nun im Aphelium selbst von der schwächeren überwältigt werden sollte. — Es erhellt, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung bewirkte; dies heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardierte Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus jenen Faktoren erkannt werden könne, welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen Unterschied zu erklären.

Dasselbe Verhältnis wurde später auf die Attractiv-und Repulsivkraft angewendet, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu begreifen; auch das umgekehrte Verhältnis der Sensibilität und Irritabilität, hat dazu dienen sollen, um aus der Verschiedenheit dieser Faktoren des Lebens die verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, der Gesundheit, wie auch die Verschiedenheit der Gattungen der Lebendigen zu begreifen. Aber die Verwirrung, und der Galimathias, in welchen sich dies Erklären in dem unkritischen Gebrauche dieser Begriffsbestimmungen verwickelte, hat zur Folge gehabt, daß dieser Formalismus bald wieder aufgegeben worden zu sein scheint, da hingegen in der Wissenschaft besonders der physikalischen Astronomie derselbe in seiner ganzen Ausdehnung fortgeführt wird.

— In Ansehung der absoluten Indifferenz, des Grundbegriffs der Spinozistischen Substanz, kann noch erinnert werden, daß dieser Begriff die letzte Bestimmung des Seins ist, ehe es zum Wesen wird, daß er aber das Wesen selbst nicht erreicht. Die absolute Indifferenz enthält die absolute Einheit der spezifisch Selbstständigen in ihrer höchsten Bestimmung, als des Denkens und des Seins, und darin überhaupt aller andern Modifikationen dieser Attribute. Allein damit ist nur das ansichseiende nicht das fürsichseiende Absolute gedacht. Oder es ist die äußere Reflexion, welche dabei stehen bleibt, daß die spezifisch Selbstständigen an sich oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß ihr Unterschied nur ein gleichgültiger, kein Unterschied an sich ist. Was hier noch fehlt, besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die äußere Reflexion des denkenden Subjekts sei, sondern daß sie selbst erkannt werde, und zwar als die eigene Bestimmung und Bewegung der Selbstständigen, ihren Unterschied aufzuheben, und nicht bloß an sich eins, sondern in ihrem qualitativen Unterschiede eins zu sein, wodurch dann der Begriff des Wesens, nicht das Negative außer ihm, zu haben, sondern an ihm selbst die absolute Negativität, Gleichgültigkeit gegen sich selbst eben so sehr als seines Andersseins gegen sich, zu sein.

C. Hervorgehen des Wesens

Die absolute Indifferenz bestand darin, daß sie das spezifisch Selbstständige sei, welches sich durch seine Negation mit sich selbst vermittle, und durch diese gereinigt das absolut Selbstständige sei. So ist sie die Indifferenz, die das spezifische Selbstständige und dessen Negation voraussetzt, und dadurch als das ansichseiende bestimmt ist.

Vors erste ist ihr diese Bestimmtheit wesentlich; zurückkommend aus jenen Momenten ist die Indifferenz als die Bestimmung oder als das Ansichsein, von ihnen, als von seiner Beschaffenheit oder seinem Sein-für-Anderes, unterschieden.

Zweitens aber hat sich diese Bestimmtheit näher als das umgekehrte Verhältnis von Faktoren ergeben. Indem sie nämlich wesentlich an dem absolut Selbstständigen ist, ist jene spezifische Selbstständigkeit und deren Negation nur in ihrer Beziehung auf dasselbe zu betrachten; oder vielmehr sind sie nur Momente dieser ihrer Einheit.

Drittens in dieser Bestimmung, Faktoren der Bestimmtheit des Wesens zu sein, hat sich ihre unvollkommene Einheit, ihr umgekehrtes Verhältnis aufgehoben. Oder die Bestimmtheit der absoluten Indifferenz, hat sich gezeigt, die negative Beziehung auf sich selbst zu sein. Die Bestimmtheit ist der Unterschied und die gegenseitige Negation der Faktoren; aber die Negation ist nicht mehr die Negation eines Unmittelbaren, so daß sie selbst nur eine unmittelbare und bestimmt durch ein anderes wäre, sondern die Negation des andern ist Negation der eignen spezifischen Selbstständigkeit gegen das andere; die negative Beziehung auf das andere, welche als solche ein Bestimmtsein oder Übergehen ist, ist vielmehr Aufheben der eigenen Bestimmtheit, das Übergehen in sich selbst; Negation des Negativen.

Die Bestimmtheit der ansichseienden Indifferenz ist hiermit die Unendlichkeit ihrer Selbstständigkeit, die absolute Negativität. Es ist also nicht die spezifische Selbstständigkeit, welche sich durch ihre Negation mit sich selbst vermittelt, sondern es ist die absolute Selbstständigkeit, die nur dies ist, durch ihre, ihr gleiche, Negativität, sich mit zu vermitteln. — Hierin ist zwar eine erste absolute Selbstständigkeit ausgesprochen gegen die andere, welche ist als mit sich vermittelte. Insofern ist jene die unmittelbare oder nur ansichseiende; insofern das Spezifische, eine bestimmte überhaupt. Aber das Resultat ist eben dies, erstens daß die ansichseiende Selbstständigkeit, die Indifferenz als solche, nicht absolut, sondern selbst bestimmt ist, und daß sie dies wesentlich, aber daß ihre Bestimmtheit, die Negation der Negation, also fürsichseiende Selbstständigkeit ist, welche jene ansichseiende Selbstständigkeit, als aufgehobenes, als Moment enthält. Es ist also die Selbstständigkeit vorhanden, die dies ist, in der vollständigen Negation ihrer selbst, nämlich in der Selbstständigkeit des Andersseins, das heißt des ersten Unmittelbaren, einfache Beziehung auf sich, also zugleich negative Beziehung auf sich zu sein.

Hiermit ist das Sein absolut in sich zurückgegangen; es hat seine Bestimmtheit, das einfache Unmittelbare zu sein, aufgehoben und sich erinnert.

Das Sein ist zuerst Qualität, die ihrer Bestimmung nach das an sich bestimmte Sein, seiende Bestimmtheit ist, dadurch daß es die Negation des Andern ist. Die Quantität ist ihrer Bestimmung nach, die gleichgültige Bestimmtheit, welche nicht Negation eines andern, sondern dagegen gleichgültig und der das Andre äußerlich ist. Es hat sich zunächst an ihnen, in ihrer Unmittelbarkeit, gezeigt, daß die Qualität in die Quantität, diese aber in jene übergeht. Ihre Einheit ist das Maß; wie sie vorhin jede für sich gesetzt war, so sind sie in diesem in die Beziehung getreten, zunächst nach ihrer Bestimmtheit gegen einander, somit nur in relativer Einheit. Durch die Bewegung des Maßes aber wird das gesetzt, was sie, jede für sich betrachtet, zeigten an sich zu sein, und es geht daraus ihre absolute Einheit hervor.

Diese Einheit des Qualitativen und Quantitativen, zunächst Gleichgültigkeit gegen das eine und gegen das andere, ist wesentlich nicht Indifferenz als gegen das eine und das andere, sondern Gleichgültigkeit gegen sich selbst, Zerfallen in sich. Dies ist die Quantitativität der Indifferenz, aber eben so sehr ihre Qualitativität; als Indifferenz ist sie nämlich an sich seiende und unmittelbare Selbstständigkeit; aber eben dies Ansichsein oder die Unmittelbarkeit ist Bestimmtheit; also die Negation der Indifferenz, ein anderes Selbstständiges. Die negative Beziehung beider Selbstständigen auf einander macht ihre qualitative Bestimmtheit aus, worin also jene erste Unmittelbarkeit nur als Bestimmtheit gesetzt und damit aufgehoben ist; indem dieses Aufheben nicht nur Aufheben der Unmittelbarkeit, sondern derselben als Negation ist, so ist es Negation der Negation; die Bestimmtheit, welche die Selbstständigkeit des Ganzen ist; die negative Indifferenz.

Diese Einheit mit sich der Bestimmtheit und der Gleichgültigkeit gegen sie ist die Wahrheit des Seins. Sie ist das einfache Sein, gleichgültige Unmittelbarkeit, als vermittelt mit sich durch seine Negation, durch seine Gleichgültigkeit gegen sich selbst; oder es ist die Vermittlung als reine Gleichheit mit sich, als einfache Unmittelbarkeit, — das Sein das nur dies ist, in seiner Negation mit sich zusammengegangen und hiermit reines Sein zu sein.

Das Sein als dies schlechthin erinnerte Sein ist das Wesen. Die Wahrheit des Seins ist so, unmittelbares zu sein als absolut aufgehobene Unmittelbarkeit. Es ist nur als negative Beziehung auf sich; so stößt es sich ab von sich, dies Abstoßen ist sein Nichtsein, so ist es die erste Unmittelbarkeit, qualitatives Sein. Aber dies Nichtsein ist Gleichgültigkeit gegen sich, das Aufheben seiner, so ist es zunächst quantitatives Sein; — dies ist schon an sich die Rückkehr in sich; insofern nämlich jenes erste, als Nichtsein bestimmt ist; aber es ist nur erst quantitatives Sein, insofern jenes erste, unmittelbares Sein ist. Das quantitative Sein macht sich zum Maß und als dieses zur fürsichseienden Indifferenz; diese ist eben dies, das unmittelbare Sein als ein Nichtsein, und das Ansichsein als Bestimmtheit, zu bestimmen. Das Sein, indem es ist, das nicht zu sein, was es ist, und das zu sein, was es nicht ist; — als diese einfache Negativität seiner selbst, ist das Wesen.