c) Realität
Wissenschaft der Logik. Das Seyn (1812)

A. Dasein als solches

Das Dasein als solches bestimmt sich an ihm selbst, zu dem Unterschiede der Momente des Seins-für-anderes, und des Ansichseins, oder es bestimmt sich, indem es deren Einheit ist, als Realität; und weiter zum Daseienden oder Etwas.

1. Dasein überhaupt

Dasein ist das einfache Einssein des Seins und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, die Form von einem Unmittelbaren. Seine Vermittlung, das Werden, liegt hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Dasein erscheint daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde.

Es ist nicht bloßes Sein, sondern Dasein. Etymologisch genommen, Sein an einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehört nicht hierher. Dasein ist, nach seinem Werden, überhaupt Sein mit einem Nichtsein, aber so daß dies Nichtsein in einfache Einheit mit dem Sein aufgenommen ist; das Dasein ist bestimmtes Sein überhaupt.

Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Dasein, Sein und Nichts, eins sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; sondern so weit das Daseiende seiend ist, so ist es Nichtseiendes, so weit ist es Bestimmtes. Das Sein ist nicht das Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Sein abgelöst; oder vielmehr wird sie sich nicht mehr von ihm ablösen; denn das nunmehr zum Grunde liegende Wahre ist diese Einheit des Nichtseins mit dem Sein; auf ihr als dem Grunde ergeben sich alle ferneren Bestimmungen. Das Sein, das der Bestimmtheit fernerhin entgegentritt, ist nicht mehr das erste, unmittelbare Sein.

2. Realität

Das Dasein ist Sein mit einem Nichtsein. Als unmittelbare Einheit aber des Seins und Nichts ist es vielmehr in der Bestimmung des Seins, und das Gesetztsein dieser Einheit ist daher unvollständig; denn sie enthält nicht nur das Sein, sondern auch das Nichts.

a) Anderssein

Das Dasein ist daher erstens jene Einheit nicht nur als Sein, sondern so wesentlich als Nichtsein. Oder jene Einheit ist nicht nur seiendes Dasein, sondern auch nichtseiendes Dasein; Nichtdasein.

Es ist beim Übergang des Seins in Nichts erinnert worden, inwiefern er unmittelbar ist. Das Nichts ist am Sein noch nicht gesetzt, ob zwar Sein wesentlich Nichts ist. Das Dasein hingegen enthält das Nichts schon in ihm selbst gesetzt, und ist dadurch der eigne Maßstab seiner Unvollständigkeit, und damit an ihm selbst die Notwendigkeit, als Nichtdasein gesetzt zu werden.

Zweitens, das Nichtdasein ist nicht reines Nichts; denn es ist ein Nichts als des Daseins. Und diese Verneinung ist aus dem Dasein selbst genommen; aber in diesem ist sie vereinigt mit dem Sein. Das Nichtdasein ist daher selbst ein Sein; es ist seiendes Nichtdasein. Ein seiendes Nichtdasein aber ist selbst Dasein. Dies zweite Dasein ist jedoch zugleich nicht Dasein auf dieselbe Weise, wie als zuerst; denn es ist eben so sehr Nichtdasein; Dasein als Nichtdasein; Dasein als das Nichts seiner selbst, so daß dies Nichts seiner selbst gleichfalls Dasein ist. — Oder das Dasein ist wesentlich Anderssein.

Oder kurz mit sich selbst verglichen, so ist Dasein, unmittelbare einfache Einheit des Seins und Nichts; aber weil es Einheit des Seins und Nichts ist, so ist es vielmehr nicht sich selbst gleiche Einheit, sondern sich schlechthin ungleich, oder ist das Anderssein.

Das Anderssein ist zunächst Anderssein an und für sich, nicht das Andre von Etwas, so daß das Dasein dem Andern noch gegenüber stehen geblieben wäre, und daß wir hätten, ein Dasein, und ein anderes Dasein. Denn das Dasein ist überhaupt übergegangen in Anderssein. Das Anderssein ist selbst Dasein; aber Dasein als solches ist das Unmittelbare; diese Unmittelbarkeit ist aber nicht geblieben, sondern das Dasein ist nur Dasein als Nichtdasein, oder es ist Anderssein.

Wie Sein in Nichts überging, so Dasein in Anderssein; Anderssein ist das Nichts, aber als Beziehung. Anderes ist Nichtdiß; aber dies ist gleichfalls ein Anderes, also auch Nichtdiß. Es ist kein Dasein, das nicht zugleich als Anderes bestimmt wäre, oder eine negative Beziehung hätte.

Die Vorstellung gibt dies gleichfalls zu. Wenn wir ein Dasein A nennen, das andere aber B; so ist zunächst B als das Andere bestimmt. Allein A ist eben so sehr das Andere des B. Beide sind andere.

Hierbei erscheint aber das Anderssein als eine dem so bestimmten Dasein fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Dasein; teils so, daß ein Dasein erst durch die Vergleichung eines Dritten, als anderes bestimmt werde, für sich aber nicht ein anderes sei, teils so, daß es nur um des andern willen, das außer ihm ist, als anderes bestimmt werde, aber nicht an und für sich. Allein in der Tat bestimmt sich jedes Dasein auch für die Vorstellung eben so sehr als ein anderes Dasein, so daß ihm nicht ein Dasein bleibt, das nur als ein Dasein, nicht als ein anderes bestimmt wäre; oder nicht ein Dasein, das nicht außerhalb eines Daseins, also nicht selbst ein Anderes wäre. — Die Vorstellung kommt zwar zur Allgemeinheit einer Bestimmung, nicht zur Notwendigkeit derselben an und für sich selbst. Diese Notwendigkeit aber liegt darin, daß es sich am Begriffe des Daseins gezeigt hat, daß das Dasein als solches an und für sich das Andre ist, daß es sein Anderssein in sich selbst enthält. — Aber das Anderssein ist das Nichts wesentlich als Beziehung, oder ist das Trennen, Entfernen von sich selbst, daher diese Bestimmung des Andersseins sich das Dasein gegenüberstellt; welche Seite allein der Vorstellung vorschwebt.

Drittens: Das Dasein selbst ist wesentlich Anderssein; es ist darein übergegangen. Das Andere ist so unmittelbar, nicht Beziehung auf ein außer ihm Befindliches, sondern Anderes anundfürsich. Aber so ist es das Andre seiner selbst. — Als das Andre seiner selbst ist es auch Dasein überhaupt oder unmittelbar. Das Dasein verschwindet also nicht in seinem Nichtdasein, in seinem Andern; denn dies ist das Andre seiner selbst; und das Nichtdasein ist selbst Dasein.

Das Dasein erhält sich in seinem Nichtdasein; es ist wesentlich eins mit ihm, und wesentlich nicht eins mit ihm. Das Dasein steht also in Beziehung auf sein Anderssein; es ist nicht rein sein Anderssein; das Anderssein ist zugleich wesentlich in ihm enthalten, und zugleich noch davon getrennt; es ist Sein-für-Anderes.

b) Sein-für-Anderes und Ansichsein

1. Sein-für-Anderes macht die wahrhafte Bestimmung des Daseins aus. Dasein als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in der Bestimmung des Seins. Aber Dasein als das Nichtsein in sich schließend, ist wesentlich bestimmtes Sein, verneintes Sein, Anderes, — aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich auch erhält, nur Sein-für-Anderes.

2. Als reines Sein-für-Anderes ist das Dasein eigentlich nur übergehend in das Anderssein. Es erhält sich aber auch in seinem Nichtdasein, und ist Sein. Es ist aber nicht nur Sein überhaupt, sondern im Gegensatze gegen sein Nichtdasein; ein Sein als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein solches Sein ist das Ansichsein.

3. Sein-für-Anderes und Ansichsein machen die zwei Momente des Daseins aus. Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Dasein und Anderes; 2) Sein-für-Anderes, und Ansichsein. Die erstern enthalten die gleichgültige, beziehungslose Bestimmung; Dasein und ein Anderes fallen auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung; das Sein-für-Anderes, und das Ansichsein sind daher jene Bestimmungen als Momente; als Bestimmungen, welche Beziehungen sind, und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseins bleiben; oder jedes selbst enthält an ihm zugleich auch sein von ihm verschiedenes Moment.

Es ist oben erinnert worden, daß Sein und Nichts in ihrer Einheit, welche Dasein ist, nicht mehr Sein und Nichts sind, — denn dies sind sie nur außer ihrer Einheit; so Sein und Nichts, in ihrer unruhigen Einheit, im Werden, sind Entstehen und Vergehen. — Sein im Dasein, ist Ansichsein. Denn Sein ist die Beziehung auf sich, die Gleichheit mit sich, die aber itzt nicht mehr unmittelbar ist, sondern sie ist Beziehung auf sich nur als Nichtsein des Nichtdaseins; (als reflektiertes Dasein). — Eben so ist Nichtsein als Moment des Daseins, in dieser Einheit des Seins und Nichtseins, nicht Nichtdasein überhaupt, sondern unmittelbar Anderes, und bestimmter, Beziehung auf das Nichtdasein oder Sein-für-Anderes.

Also Ansichsein ist erstlich negative Beziehung auf das Nichtdasein, es hat das Anderssein außer ihm und ist demselben entgegen; insofern etwas an sich ist, ist es dem Anderssein und dem Sein-für-Anderes entnommen. Aber zweitens hat es das Nichtsein auch selbst an ihm; denn es selbst ist das Nichtsein des Seins-für-Anderes.

Das Sein-für-Anderes aber ist erstlich Negation des Seins, im Dasein; insofern etwas in einem Andern oder für ein Anderes ist, entbehrt es des eigenen Seins. Aber zweitens ist es nicht das Nichtdasein als reines Nichts; es ist Nichtdasein, das auf das Ansichsein hinweist, so wie umgekehrt das Ansichsein auf das Sein-für-Anderes hinweist.

c) Realität

Ansichsein und Sein-für-Anderes sind die Momente oder innern Unterschiede des Daseins. Sie sind das Sein und Nichts unterschieden im Dasein. Oder durch diesen Unterschied ist das Dasein nicht aufgelöst; sondern diese Momente sind wesentlich in der Einheit gehalten, welche Dasein ist; denn sie sind selbst, wie so eben gezeigt, diese Einheiten.

Das Dasein selbst ist zunächst unmittelbare, einfache Einheit des Seins und Nichts. Insofern sich Sein und Nichts näher in ihm als die so eben betrachteten Momente bestimmt haben, ist es nicht mehr in der ersten Form der Unmittelbarkeit, sondern ist reflektiertes Dasein; es ist Dasein, insofern es sich als Ansichsein und als Sein-für-Anderes bestimmt hat, und die Einheit von ihnen als seinen Momenten ist. Als dies reflektierte Dasein ist es Realität.

Anmerkung

Realität kann ein vieldeutiges Wort zu sein scheinen, weil es von sehr verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Wenn von Gedanken, Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt dies hier, daß ihnen kein äußerliches Dasein, keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe könne die Idee einer platonischen Republik z. B., wohl wahr sein. — Umgekehrt wenn z. B. nur der Schein des Reichtums im Aufwand vorhanden ist, wird gleichfalls gesagt, es fehle die Realität, es wird verstanden, daß jener Aufwand nur ein äußerliches Dasein sei, das keinen innern Grund hat. Von gewissen Beschäftigungen wird gesagt, sie seien keine reelle Beschäftigungen, nämlich keine solche, die Wert an sich haben; — oder von Gründen, sie seien nicht reell, insofern sie nicht aus dem Wesen der Sache geschöpft sind.

Das einemal ist also unter Realität das äußerliche Dasein, das anderemal das Ansichsein verstanden. Allein dies ist nicht eine verschiedene oder entgegengesetzte Bedeutung der Realität, sondern vielmehr nur Eine, weil die Realität wesentlich jene beide Bestimmungen in sich schließt. Wenn also nur das Ansichsein, oder nur das Sein-für-Anderes vorhanden ist, so wird die Realität darum vermißt, weil jede dieser Bestimmungen für sich einseitig, sie aber die Totalität ist, welche beide fordert.

Auch das An-sich hat zum Teil diese Doppelbedeutung. An-sich ist etwas, insofern es aus dem Seinfür-Anderes heraus, in sich zurückgekehrt ist. Aber Etwas hat auch eine Bestimmung oder Umstand an sich (hier fällt der Akzent auf an) oder an ihm, insofern dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Sein-für-Anderes ist.

Dieses beides ist in dem Dasein oder der Realität vereinigt. Das Dasein ist sowohl an sich, als es etwas an ihm hat, oder Sein-für-Anderes ist. Aber daß das Dasein das, was es an sich ist, auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als Sein-für-Anderes ist, auch an sich ist, — dies betrifft die Identität des Ansichseins und Seins-für-Anderes, vornehmlich einem Inhalte nach, und ergibt sich formell zum Teil schon in der Sphäre des Daseins, insofern die Bestimmung in Beschaffenheit übergeht, aber ausdrücklicher in der Betrachtung des Wesens und des Verhältnisses der Innerlichkeit und Äußerlichkeit, und dann am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des Begriffs und der Wirklichkeit.

Es zeigt sich hier aber schon vorläufig auch der Sinn des Dings-an-sich, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang eine sehr wichtige Bestimmung, so wie, der Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine vielgeltende Weisheit war. — Die Dinge heißen an-sich, insofern von allem Seinfür-Anderes abstrahiert wird, das heißt überhaupt, insofern sie ohne alle Bestimmung, als Nichts gedacht werden. In diesem Sinn kann man freilich nicht wissen, was das Ding an-sich ist. Denn die Frage: was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem es aber zugleich Dinge-an-sich sein sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in die Frage gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung gelegt, oder man macht eine widersprechende Antwort. Das Ding-an-sich ist dasselbe, was jenes Absolute, von dem man nichts weiß, als daß Alles eins in ihm ist. Was aber das Ding-an-sich in Wahrheit ist, oder vielmehr was überhaupt an sich ist, davon ist die Logik selbst die Darstellung. Wenn von einem bestimmten Dinge gefragt wird, was es an sich sei, so ist die einfache logische Antwort, daß es das an sich ist, was es in seinem Begriffe ist.

Es kann hier der vormalige metaphysische Begriff von Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom Dasein Gottes zu Grunde gelegt wurde, erwähnt werden. Gott wurde nämlich als der Inbegriff aller Realitäten bestimmt, und von diesem Inbegriffe gesagt, daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der Realitäten die andere aufhebe; denn sie sei nur als eine Vollkommenheit, als ein Positives zu nehmen, das keine Negation enthalte. Somit seien die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und widersprechen sich nicht.

Bei diesem Begriffe der Realität wird also angenommen, daß sie dann noch bleibe, insofern alle Negation, damit aber alle Bestimmtheit derselben aufgehoben sei. Allein sie ist das Dasein überhaupt; sie enthält das Nichtsein als Sein-für-Anderes, und näher die Grenze oder Bestimmtheit. Die Realität, die im sogenannten eminenten Sinne oder als unend liche, — in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts, — genommen werden soll, wird ins Bestimmungslose erweitert, und verliert ihre Bedeutung. Die Güte Gottes solle nicht Güte im gewöhnlichen, sondern im eminenten Sinne, nicht verschieden von der Gerechtigkeit, sondern durch sie temperiert sein, so wie umgekehrt die Gerechtigkeit durch die Güte; so ist weder Güte mehr Güte, noch Gerechtigkeit mehr Gerechtigkeit. — Die Macht solle durch die Weisheit temperiert sein, aber so ist sie nicht absolute Macht; — die Weisheit solle zur Macht erweitert sein, aber so verschwindet sie als Zweck und Maß bestimmende Weisheit. Es wird sich später der wahre Begriff des Unendlichen ergeben, so wie die absolute Einheit sich immer mehr näher bestimmen wird, die nicht in einem Temperieren, einem gegenseitigen Beschränken oder Vermischen besteht, als welches eine höchst oberflächliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit der sich nur das begrifflose Vorstellen begnügen kann. — Die Realität, wie sie in jener Definition Gottes als bestimmte Qualität genommen wird, über ihre Bestimmtheit hinausgeführt, hört auf Realität zu sein; sie wird das einseitige Ansich, das leer ist; und Gott als das rein Reale in allem Realen, oder als Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe Bestimmungs- und Gehaltlose, was das vorhin erwähnte leere Absolute ist, in dem alles Eins ist.

3. Etwas

Das Dasein ist als Realität die Unterscheidung seiner selbst in Ansichsein, und Sein-für-Anderes. Hierin ist das Ansichsein als unterschieden vom Sein-für-Anderes; aber es ist somit nur als darauf bezogen, und in der Einheit mit ihm. Eben so das Sein-für-Anderes ist nicht das Anderssein selbst, sondern enthält die Beziehung auf sich selbst, das Ansichsein, in sich. Diese beiden Einheiten machen also in ihrem Unterschiede selbst Eine Einheit aus, und sind das Übergehen in einander.

Das Dasein zunächst als solches ist nur die unmittelbare Einheit des Seins und Nichts. Die Realität ist diese Einheit in dem bestimmten Unterschiede ihrer Momente, die an ihr verschiedene Seiten ausmachen, Reflexionsbestimmungen, die gegen einander gleichgültig sind. Aber weil jede nur ist als in Beziehung auf die andere, und jede die andere in sich schließt, so hört die Realität auf, eine solche Einheit zu sein, in welcher beide gleichgültig bestehen. Es ist eine Einheit, welche sie nicht bestehen lässt, ihre aufhebende einfache Einheit. Das Dasein ist Insichsein, und als Insichsein ist es Daseiendes oder Etwas.

Das Insichsein des Daseins ist somit die einfache Beziehung desselben auf sich selbst, wie das Ansichsein. Aber das Ansichsein ist diese Gleichheit mit sich mehr auf unmittelbare Weise; im Ansichsein ist das Moment des Seins das zum Grunde liegende, und das Sein-für-Anderes steht ihm gegenüber. Dies kann so ausgedrückt werden, das Ansichsein ist die Beziehung des Daseins auf sich selbst, nicht als eigene Reflexion des Daseins in sich, sondern als eine äußerliche; oder nur dadurch, daß das Sein-für-Anderes von der Beziehung auf sich, abgetrennt wird. — Das Insichsein hingegen ist nunmehr das eigene Ansichsein des Daseins; es ist seine Reflexion in sich. Das Dasein ist die Einheit, welche Realität ist, insofern sie verschiedene Seiten hat, das heißt, die Realität ist die unmittelbare Einheit, aber bezogen auf jene äußerliche Reflexion, welche verschiedene Seiten unterscheidet. Das Insichsein dagegen ist die Beziehung des Daseins auf sich, insofern das Aufheben des Seins-für-Anderes sein eigenes ist; das Sein-für-Anderes geht an ihm selbst in das Ansichsein über, und dieses ist dadurch nicht mehr unmittelbares Ansichsein, sondern das sich gleichfalls mit seinem andern Momente vereint hat, und in dem das Sein-für-Anderes aufgehoben ist, oder Insichsein.

Etwas bestimmt sich fernerhin näher als Fürsichsein, oder Ding, Substanz, Subjekt u. s. f. Allen diesen Bestimmungen liegt die negative Einheit zu Grunde; die Beziehung auf sich durch Negation des Andersseins. Etwas ist diese negative Einheit des Insichseins nur erst ganz unbestimmt.

Das Dasein geht in Daseiendes innerhalb seiner selbst über, dadurch daß es als Aufheben des Seinsfür-Anderes diesen Punkt der negativen Einheit gewinnt. Das Dasein ist also als Etwas nicht die unmittelbare, seiende Einheit des Seins und Nichts; sondern als Insichsein hat es Beziehung auf sich, insofern es Negation ist. Das Sein des Etwas besteht also nicht in seiner Unmittelbarkeit, sondern im Nichtsein des Andersseins, das Dasein ist also im Etwas insofern in das Negative übergegangen, daß dieses nunmehr zu Grunde liegt. Das Etwas ist Dasein allein insofern es eine Bestimmtheit hat.

B. Bestimmtheit

Dasein ist Sein mit einem Nichtsein. Es ist Sein, einfache Beziehung auf sich selbst, aber nicht mehr als Unmittelbarkeit, sondern als negative Beziehung auf sich selbst, diese macht sein Sein aus. So ist es Etwas. Hier kehrt sich also am Dasein, das Moment des Nichtseins heraus.

Etwas als Daseiendes unterscheidet erstlich sein Moment der Negativität von ihm selbst, als seine Grenze.

Alsdann aber zeigt sich die Grenze als die Wesentlichkeit des Etwas, und ist seine Bestimmtheit, die sich in Bestimmtheit als an-sich-seiende, in Bestimmung, und in Bestimmtheit als seiende für-Anderes, in Beschaffenheit, unterscheidet. Die Bestimmtheit ist als die Beziehung dieser Momente Qualität.

Drittens aber geht die Qualität durch die Beschaffenheit in Veränderung über.

1. Grenze

1. Das Etwas ist erstens ein überhaupt umschlossenes Dasein; es enthält das Nichtsein des Andersseins in sich; ein Nichtsein, wodurch es ist, als Insichsein.

Zweitens ist es als Dasein wohl Sein-für-Anderes; aber das Sein-für-Anderes ist in das Ansichsein zurückgenommen. Dies heißt einesteils das Anderssein ist nicht verschwunden; aber weil das Etwas eben aus dem Grunde des Zurückgekehrtseins in sich einfaches Insichsein ist, so fällt das Anderssein außer ihm. Dies Andre ist ein anderes Etwas, wogegen das Etwas gleichgültig ist; es ist, ob dies Andere sei, oder nicht sei, oder wie es sei. Das Etwas ist Ansichsein, und zwar gegen das Andre; dies Ansichsein macht seine Gleichgültigkeit aus. — Das erste Ansichsein des Daseins ist unmittelbares Ansichsein; hingegen das Insichsein ist auch Ansichsein, aber als nicht unmittelbares, sondern ein Ansichsein, das negativ ist, gegen Anderes, oder das Ansichsein. Das herausgetreten ist, in das Sein-für-Anderes. — Darin also, daß das Dasein bestimmt ist als gleichgültig, tritt erst das Andere einem Dasein eigentlich gegenüber; in das Anderssein, wie es vorhin erschien, war das Dasein selbst übergegangen; diese Einheit beider bildete sich zu den betrachteten Momenten aus, durch deren negative Einheit, das Insichsein, sich das Dasein vom Anderssein abtrennt und in gleichgültige Beziehung auf einander setzt.

Drittens deswegen aber, weil das Insichsein das Nichtsein des Andersseins ist, ist das Etwas nicht gleichgültiges überhaupt, sondern, das Nichtsein des Andern ist wesentliches Moment seiner Gleichgültigkeit; es ist das Aufhören eines Andern in ihm.

Etwas enthält also die drei Momente 1) sein Nichtsein, das Andere ist außer ihm; es selbst ist sich selbst gleiche Beziehung auf sich, 2) das Andere ist nicht Anderes überhaupt, oder in einer äußerlichen Reflexion, sondern es hört im Etwas auf, Etwas ist sein Nichtsein; 3) Etwas hat dadurch das Nichtsein selbst an ihm, aber als Aufhören seines Andersseins, und damit als Sein seiner selbst.

Es hat eine Grenze.

Etwas hat eine Grenze zunächst nur als gegen Anderes; sie ist das Nichtsein des Andern, nicht des Etwas selbst; es begrenzt nicht sich selbst dadurch, sondern sein Anderes.

2. Aber das Andre ist selbst ein Etwas überhaupt, denn es ist gleichfalls Dasein. Die Grenze also, welche das Etwas gegen das Andre hat, ist auch Grenze des Andern als Etwas, oder es ist Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein Anderes von sich abhält, oder ist ein Nichtsein jenes Etwas. Sie ist also nicht nur Nichtsein des Andern, sondern auch des Etwas; sie am Etwas selbst.

Oder unmittelbar insofern das Etwas nur ist, als Nichtsein des Andern, so ist es an ihm selbst Nichtsein, und die Grenze ist eben so sehr das, wodurch es selbst begrenzt wird.

3. Sie ist als Nichtsein das Aufhören des Etwas, Aber indem sie wesentlich das Aufhören des Andern ist, so ist das Etwas zugleich durch seine Grenze. — Das Andre ist gleichfalls Nichtsein des Etwas, aber wenn die Grenze nur dies Nichtsein wäre, so hörte Etwas überhaupt in seiner Grenze auf; aber sie ist nur so Nichtsein des Etwas, daß sie zugleich Nichtsein des Andern, also Sein des Etwas ist.

Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese Momente in unmittelbarer Unterschiedenheit zunächst genommen werden, so fällt das Nichtdasein und das Dasein des Etwas außer einander. Etwas hat sein Dasein außer seiner Grenze; eben so ist aber auch das Andre, weil es Etwas ist, außerhalb derselben. Sie ist die Mitte beider, in der sie aufhören. Sie haben das Dasein jenseits von einander und von ihrer Grenze; die Grenze als das Nichtsein eines jeden ist das Andre, jedes hat so sein Dasein außer seinem Nichtsein.

— Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint uns die Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, dem Punkte; die Fläche als Fläche außerhalb der Linie; der Körper als Körper nur außerhalb seiner begrenzenden Fläche. — Dies ist die Seite, von welcher die Grenze zunächst in die Vorstellung, — das Außersichsein des Begriffes, — fällt, also vornehmlich auch in den räumlichen Gegenständen genommen wird.

4. Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das unbegrenzte Etwas nur das Dasein überhaupt. Außer der Grenze ist Etwas nicht von seinem Andern unterschieden; es ist nur Dasein, es hat also mit seinem Andern dieselbe Bestimmung; jedes ist nur Etwas überhaupt, oder jedes ist Anderes.

Etwas aber ist Etwas nur durch Insichsein; und es ist in sich, nur durch Nichtsein eines Andern; ohne Grenze ist es sein Anderes. Sein Hinausgekehrtsein gegen Anderes, das Nichtsein, das seine Grenze ist, macht somit das Wesentliche des Etwas, oder sein Dasein aus. Etwas ist, was es ist, nur in seiner Grenze.

Das Insichsein, als einfache Beziehung auf sich selbst schließt zunächst das Anderssein und damit die Grenze selbst — als die Beziehung auf das Andere — von sich und aus dem Etwas aus. Aber die Gleichheit des Etwas mit sich beruht auf seiner negativen Natur; oder das Nichtsein ist hier das Ansichsein selbst; also ist die Grenze das Insichsein. Es hatte sich oben das Insichsein des Etwas so bestimmt, daß es das in das Ansichsein aufgenommene Sein-für-Anderes ist; das Ansichsein gegen Anderes war die Gleichgültigkeit des Etwas gegen Anderes. Aber umgekehrt ist das Anderssein oder Nichtsein des Etwas damit als Ansichsein gesetzt, das keinen andern Inhalt oder Bestehen hat, als die Grenze selbst.

— Der Punkt ist also nicht nur so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört, und sie als Dasein außer ihm ist; — die Linie nicht nur so Grenze der Fläche, daß diese in der Linie nur aufhört, eben so die Fläche als Grenze des Körpers. Sondern im Punkte fängt die Linie auch an; er ist ihr absoluter Anfang, er macht ihr Element aus, wie die Linie das Element der Fläche; die Fläche das des Körpers. Diese Grenzen sind so zugleich das Prinzip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z. B. als hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert.

Die Grenze ist also von dem Etwas nicht unterschieden; dies Nichtsein ist vielmehr sein Grund, und macht es zu dem, was es ist; sie macht sein Sein aus, oder sein Sein geht nicht über sein Anderssein, über seine Negation hinaus. So ist die Grenze Bestimmtheit.

2. Bestimmtheit

Die Grenze gehört dem Etwas selbst an; es hat kein Dasein außer ihr; sie ist das Ansichsein des Etwas selbst; ist seinem Insichsein nicht äußerlich, sondern ist selbst insichseiende Grenze. Ihre Wahrheit ist die Bestimmtheit überhaupt. — Dies ist das Resultat des vorhergehenden. — Wenn die Grenze sich verändert, so scheint das Etwas überhaupt noch als ein Dasein zu bleiben, und die Veränderung außer ihm, nur in der Grenze vorzugehen. Wie aber die Grenze in Wahrheit ist, nämlich als Bestimmtheit, (die qualitative, noch nicht quantitative Grenze) ist sie das, wodurch Etwas das ist, was es ist; wenn die Bestimmtheit verschwindet, so verschwindet Etwas selbst, oder wenn eine andere Bestimmtheit an die Stelle einer andern tritt, so ist Etwas selbst ein Anderes.

Etwas hat eine Bestimmtheit. In diesem Ausdrucke wird das Etwas und seine Bestimmtheit von einander unterschieden. Dieser Unterschied gehört aber der äußern Reflexion an. Etwas ist das Bestimmte; es ist in einfacher unmittelbarer Einheit mit ihr. Etwas verschwindet darum in seiner Bestimmtheit; es ist daher eigentlich nicht sowohl mehr von dem Etwas als von ihr zu sprechen. Denn Etwas ist das Insichsein in einer Unmittelbarkeit; nach dieser hat es die Negation, die Grenze nur an ihm, als Sein-für-Anderes, und Etwas ist an sich gegen sie; aber in der Einheit mit ihr ist es aufgehoben, denn seine Unmittelbarkeit ist verschwunden, und es ist in die Bestimmtheit übergegangen.

Die einfache Bestimmtheit ist Einheit des Insichseins und der Grenze. Sie enthält beide in ihr als aufgehobene, als Momente, oder sie ist selbst auf diese gedoppelte Weise bestimmt. Sie ist einerseits in sich gekehrte Grenze, andererseits aber auch das Insichsein, das in das Sein-für-Anderes übergegangen oder als Grenze ist.

a.) Bestimmung

Als insichgekehrte Grenze ist die Bestimmtheit an sich; sie ist das Bestimmte als sich nur auf sich beziehend; als das Nichtsein des Andern, so daß es dadurch nicht selbst begrenzt wird.

Die Bestimmtheit kann nach dieser Seite genauer Bestimmung genannt werden. In seiner Bestimmung ruht Etwas in sich selbst; es ist in ihr das, was es sein soll. Es ist zwar Anderes außer ihm, aber so daß Etwas nicht das, was es ist, in dieser Beziehung auf Anderes ist, sondern es ist aus der Beziehung auf Anderes in sich zurückgenommen. Grenze als Bestimmung ist nicht mehr die beziehende Mitte zwischen ihm und Anderem, sie gehört nur dem Etwas an, das sie nicht gemeinschaftlich hat, sondern sie ist seine Beziehung auf sich selbst.

b.) Beschaffenheit

Die Bestimmung macht das Ansichsein des Etwas aus. Aber die Bestimmtheit ist nicht nur Ansichsein, sondern ist als Grenze, auch Sein-für-Anderes, oder das in das Anderssein übergegangene Insichsein. Die Bestimmtheit ist zuerst Gleichgültigkeit gegen Anderes, und das Andre fällt außer dem Etwas. Aber zugleich indem die Grenze ihm selbst angehört, hat es das Anderssein an ihm selbst. Die Bestimmtheit ist auf diese Weise äußerliches Dasein des Etwas, das zwar sein Dasein ist, aber das nicht seinem Ansichsein angehört.

Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit.

So oder anders beschaffen, ist Etwas nicht als in sich seiend, sondern als in äußerem Einfluß und Verhältnisse begriffen. Diese Bestimmtheit, die ihm zwar angehört, ist vielmehr sein Anderssein, aber insofern es an ihm ist. Die äußerliche Beziehung, von der die Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes erscheint als etwas Zufälliges, weil es als ein Anderes, Äußerliches erscheint. Aber das Etwas besteht darin, dieser Äußerlichkeit preisgegeben zu sein, und eine Beschaffenheit zu haben. — Die Bestimmung ist das in sich zurückgenommene Anderssein; eben dadurch ist vielmehr das Anderssein, statt aufgehoben zu sein, zur Bestimmung der Bestimmtheit, zu ihrem Ansichsein gemacht worden.

c.) Qualität

Die Bestimmtheit ist also zuerst die einfache in-sichseiende Grenze. Aber sie hat dadurch die zwei Momente, die betrachtet worden sind. Die Bestimmtheit in dieser nähern Reflexion ist Qualität, welche sowohl die Bedeutung von Bestimmung als Beschaffenheit in sich vereinigt. Die Qualität als diese Vereinigung ist die bestimmte Natur von Etwas, nicht als eine in sich ruhende, sondern sofern es zugleich eine durch die Beziehung auf Anderes sich bestimmende Weise an ihm hat.

Insofern bei ihrer besondern Betrachtung Bestimmung und Beschaffenheit von einander unterschieden wurden, so ist Etwas nach seiner Bestimmung gleichgültig gegen seine Beschaffenheit. Aber beide sind wesentlich Momente eines und desselben, oder näher ist die Beschaffenheit eigentlich die in der Bestimmung selbst enthaltene Grenze. Die Beschaffenheit, insofern sie zugleich als in einem Äußerlichen, einem Andern überhaupt gegründet erscheint, hängt also auch von der Bestimmung ab, und die fremde Bestimmung ist durch die eigene, immanente zugleich bestimmt. Umgekehrt gehört die Beschaffenheit zu dem, was das Etwas an sich ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas.

Anmerkung

Die Qualität ist in dieser Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als sie in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung zeigt. Denn unter Eigenschaften z. B. von Kräutern versteht man Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern insofern es sich dadurch in Beziehung auf andere Dinge auf eine eigentümliche Weise verhält, und die fremden in ihm gesetzten Einwirkungen nicht in sich gewähren lässt, sondern seine Schranke als ein Insichsein zeigt, und sie in seinem Anderssein — ob es dies zwar nicht von sich abhält — geltend macht. Die mehr ruhenden Bestimmtheiten, z. B. Figur, Gestalt, Größe, nennt man dagegen nicht wohl Eigenschaften.

Insofern man von guter oder schlechter Qualität spricht, so hat die Qualität die Bedeutung seines Moments, der Beschaffenheit. Denn gut und schlecht sind Urteilsbestimmungen über die Übereinstimmung der Beschaffenheit mit der Bestimmung, mit dem Begriffe. Zugleich aber ist diese Beschaffenheit nicht eine bloße unwesentliche, abtrennbare Äußerlichkeit, oder ein bloßer Zustand, sondern Bestimmtheit des Seins der Sache selbst. Beschaffenheit ist nicht von der Bestimmung abgesondert, sondern wie die Sache beschaffen ist, so ist sie auch. Die Qualität ist eben dies, daß die in Bestimmung und Beschaffenheit unterschiedene Bestimmtheit, wesentlich die Einheit beider Momente ist.

Die Qualirung oder Inqualirung einer in die Tiefe aber in eine trübe Tiefe gehenden Philosophie, bezieht sich auf die Bestimmtheit, insofern sie an sich, aber zugleich ein Anderes an sich ist; oder auf die nähere Natur des Gegensatzes, wie er im Wesen ist, insofern er die innere Natur der Qualität und wesentlich ihre Selbstbewegung in sich ausmacht. Die Qualirung bedeutet daher in jener Philosophie die Bewegung einer Bestimmtheit in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, überhaupt die Unruhe ihrer an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt und erhält.

3. Veränderung

Die Bestimmtheit ist Qualität, reflektierte Bestimmtheit, insofern sie die beiden Seiten, der Bestimmung, und der Beschaffenheit, hat.

Die letztere ist die Bestimmtheit, insofern sie das Anderssein an ihr selbst ist. Die Grenze, als Sein äußerer Bestimmungen macht die Beschaffenheit aus; aber es ist die Bestimmtheit selbst, welche diese Grenze ist, die Äußerlichkeit ist daher eigne Äußerlichkeit seiner selbst. Indem also Etwas in seiner Bestimmtheit an ihm selbst sein Nichtsein ist, oder seine Bestimmtheit eben so sehr sein Anderes, als die seinige ist, so ist hier ein Werden gesetzt, welches Veränderung ist.

Die Veränderung liegt notwendig schon im Dasein selbst; es ist Einheit des Seins und Nichts, es ist an sich Werden. Aber es ist das zur unmittelbaren Einheit gewordene Werden. Insofern es sich zum Werden wieder entwickelt, sind es nicht die abstrakten Momente des Seins und Nichts, in die es auseinander tritt, die das übergehende ausmachen, sondern die Momente als aus dem Dasein, der Einheit des Seins und Nichts, hervorgehend, als solche welche selbst diese Einheiten sind, Diese Momente sind das Insichsein des Etwas, und das Andere; — nicht als Momente der äußern Reflexion, wie Ansichsein und Sein für Anderes — sondern als immanente Momente des Daseins selbst. In der Bestimmung ist das Anderssein, das zunächst als Grenze ist, zur einfachen Bestimmtheit zurückgenommen, oder sie ist selbst die einfache Einheit beider Momente. Aber die Beschaffenheit ist die Beziehung derselben als sich einander anders seiender oder als unterschiedener, und ihn Beziehung in einer und derselben Rücksicht; somit ihr Aufheben an ihnen selbst.

a) Veränderung der Beschaffenheit

Die Veränderung fällt zunächst nur in die Beschaffenheit; die Bestimmung ist die der Beziehung auf Anderes entnommene Grenze; die Beschaffenheit dagegen die dem Andern offene Seite, oder die Seite, in der das Andre als Andres ist. Es ist insofern in der Bestimmung noch ein Insichsein vorhanden, das von der Beschaffenheit und der Veränderung verschieden ist; das Etwas ist noch vorhanden und gibt nur die eine seiner Seiten preis. — Auch ist das Werden darum hier näher als Veränderung bestimmt, weil nicht rein abstrakte Momente in Beziehung sind, sondern solche, welche selbst Einheiten von einander sind, wodurch also die Bestimmung sich im Übergehen zugleich erhält, und hier nicht ein Verschwinden, sondern nur ein Anderswerden gesetzt ist.

Zunächst ist es also die Beschaffenheit, welche sich so ändert, daß sie nur eine andere Beschaffenheit wird; indem nämlich eine Beschaffenheit eine bestimmte ist, und die Bestimmtheit in Veränderung übergeht. Aber diese Veränderung der Bestimmtheit ist es selbst, die hier näher betrachtet wird; die Bestimmtheit geht darum in Veränderung über, weil sie Beschaffenheit ist.

Es ist also die Beschaffenheit als solche, die sich verändert; nicht eine Beschaffenheit, so daß die Beschaffenheit als solche bliebe; daher muß nicht sowohl gesagt werden, daß sie sich verändert, sondern ist selbst die Veränderung.

b.) Sollen und Schranke

Etwas erhält sich in der Veränderung seiner Beschaffenheit; die Veränderung trifft nur diese unstete Oberfläche des Andersseins, nicht die Bestimmung des Etwas selbst. Es ist aber die Beschaffenheit des Etwas, welche Veränderung ist: das heißt, das Anderssein desselben, welches an ihm selbst ist. Die Beschaffenheit des Etwas ist nicht nur Oberfläche, sondern die Grenze ist das Insichsein des Etwas; oder die Beschaffenheit ist seine Bestimmung selbst. Beide ergaben sich oben nur als verschiedene Seiten für die äußere Reflexion; aber sie sind an sich in der Qualität vereinigt und ungetrennt; die Äußerlichkeit des Andersseins ist die eigene Innerlichkeit des Etwas. Etwas ist bestimmt, es ist in sich nur durch seine Grenze; sie ist Negation des Andersseins, aber damit ist das Anderssein die ansichseiende immanente Bestimmung des Etwas selbst.

Es ist nämlich im Etwas nicht nur vorhanden, das Insichsein und sein Anderes überhaupt, sondern dies sein Anderes ist seine ansichseiende Bestimmtheit, nämlich die Bestimmung selbst. Diese ist daher das sich auf sich beziehende Insichsein, das aber als dieses Insichsein selbst seine Grenze ist. Das sich selbst gleiche Insichsein bezieht sich daher auf sich selbst als auf sein eigenes Nichtsein. Die Grenze, die so die Bestimmung des Etwas ausmacht, aber so daß sie zugleich als sein Nichtsein bestimmt ist, ist Schranke.

Das Ansichsein der Bestimmung aber in dieser Beziehung auf die Grenze, nämlich auf sich als Schranke, ist Sollen.

Die Grenze, die am Dasein überhaupt ist, ist nicht Schranke. Daß sie Schranke sei, muß das Dasein zugleich über sie hinausgehen. Es muß sich auf sie als auf ein Nichtseiendes beziehen. Das Dasein des Etwas liegt nur ruhig gleichgültig gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber über seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobensein ist. Und indem die Grenze die Bestimmung selbst ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus.

Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als ansichseiende Bestimmung; das andremal aber dieselbe als ein Nichtsein, als Schranke. Das Sollen ist die Bestimmung und das Aufgehobensein ihrer selbst, und zwar so daß eben dies Aufgehobensein ihrer selbst in ihr ist. Das Sollen ist also die Beziehung der Bestimmung auf sich als auf ihr Nichtsein, oder auf das Nichtsein, das sie selbst ist.

Was sein soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es wäre, so sollte es nicht bloß sein. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. — Aber ferner diese Schranke ist nicht ein Fremdes. Das, was sein soll, ist die Bestimmung, d. i. es ist die Bestimmtheit der Bestimmung selbst, welche nicht ist. Dies ist das, was so eben so ausgedrückt wurde, daß das Sollen die Bestimmtheit ist, aber eben so das Aufgehobensein dieser Bestimmtheit selbst.

Was sich also ergeben hat, besteht darin: Etwas hat eine Bestimmung; d. h. eine Bestimmtheit, welche aber nicht seine Grenze, nicht sein Aufhören sei, sondern vielmehr sein Insichsein selbst. Aber es hat damit zugleich eine Grenze oder ist bestimmt; die aufgehobene Grenze ist aufbewahrt. Diese Grenze ist Schranke, und die Bestimmung ist Sollen, insofern die Bestimmtheit in der einfachen Einheit des Insichseins zugleich ist und nicht ist.

Das In-sich-Beruhen des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum Sollen herab, dadurch daß dieselbe Bestimmtheit, welche sein Insichsein ausmacht, zugleich auch in einer und derselben Rücksicht aufgehoben, als Nichtsein ist. Die Schranke des Etwas ist daher nicht ein Äußeres, sondern seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke.

Als Sollen geht das Etwas ferner über seine Schranke hinaus, d. h. das was nicht ist in ihm, was aufgehoben ist, ist auch in ihm; nämlich dieselbe Bestimmtheit, als welche es aufgehoben ist, ist sein Ansichsein, und seine Grenze ist auch nicht seine Grenze.

Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat es aber nur als Sollen seine Schranke. Beides ist untrennbar. Es hat insofern eine Schranke als es eine Bestimmung hat, und die Bestimmung ist auch das Aufgehobensein der Schranke.

Anmerkung

Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie, vornehmlich in Beziehung auf Moralität, und überhaupt auch als der letzte und absolute Begriff von der Identität der Gleichheit mit sich selbst und der Bestimmtheit gespielt.

Du kannst, weil du sollst, — dieser Ausdruck, der viel sagen sollte, liegt im Begriffe des Sollens. Denn das Sollen ist das Hinaussein über die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben. — Aber umgekehrt ist es eben so richtig: Du kannst nicht, eben weil du sollst. Denn im Sollen liegt eben so sehr die Schranke als Schranke; die Bestimmtheit macht die Bestimmung aus als Insichsein; aber das Insichsein ist wesentlich als das Aufgehobensein dieser Bestimmtheit, welche doch das Insichsein selbst ist, also die Bestimmtheit als Nichtsein, als Schranke.

Im Sollen beginnt überhaupt der Begriff der Endlichkeit, und damit zugleich das Hinausgehen über sie, die Unendlichkeit. Das Sollen enthält dasjenige, was sich in weiterer Entwicklung als der Progreß ins Unendliche darstellt, bei welchem die Natur der darin enthaltenen unvollkommenen Identität näher betrachtet werden wird.

c.) Negation

1. Das Dasein, das bestimmte Sein, als Einheit seiner Momente, des Ansichseins und des Seins-für-Anderes, war oben Realität.

Die freigewordene Bestimmtheit ist, gleichfalls als Einheit der Bestimmung und der Beschaffenheit, Qualität. Der Realität steht die Negation gegenüber. Die Qualität macht die Mitte und den Übergang zwischen Realität und Negation aus; sie enthält diese beiden in einfacher Einheit. Aber in der Negation tritt das Nichtsein als die Wahrheit hervor, in welche die Realität übergegangen ist.

Dem Reellen steht auch das Ideelle entgegen, und dem Negativen das Positive. Der Gegensatz des Reellen und Ideellen wird sich unten beim Fürsichsein ergeben; der Gegensatz des Positiven und Negativen aber gehört unter die eigentlichen Reflexionsbestimmungen, oder ist der Gegensatz, wie er im Wesen ist, und tritt dort hervor. — Insofern der Negation die Position überhaupt entgegengesetzt wird, so heißt diese nichts anderes als Realität.

Wie die Realität dasselbe ist, was das Dasein, insofern dieses die Momente des Ansichseins und des Sein-für-Anderes an ihm hat, so kann die Negation auch für die reflektierte Bestimmtheit angenommen werden, nach demjenigen nämlich, was sich als die Wahrheit derselben ergeben hat, nämlich die Einheit von Sollen und von Schranke zu sein.